Geschichte des Fritz-Hornschuch-Naturpfads

Eine Erfolgsgeschichte

+230%
Übernachtungen

Steigerung in Kasendorf nach Eröffnung

1936
Gründungsjahr

Einer der ersten Naturpfade Oberfrankens
und einer der ersten Deutschlands

1000e
Besucher

aus ganz Süddeutschland

"Was diesen Naturpfad einen Vorrang vor ähnlichen deutschen Freilandbildungsstätten verschafft, ist seine Geschlossenheit und die in ihrer Augenfälligkeit und Großartigkeit einmalige Verknüpfung von Volksgeschichte und Heimatnatur."

Max Hundt, Schöpfer des Naturpfads

"Klein Berchtesgaden Oberfrankens" - so wurde die einzigartige landschaftliche Schönheit um Kasendorf beschrieben, die Tausende von Naturfreunden aus ganz Süddeutschland anzog.

Zeitgenössische Beschreibung

Chronologie der Ereignisse

September 1934

Der eigentliche Anfang

Erster Vorgeschichtskurs des Lehrerverbandes in Kasendorf. Leitung: Prof. Dr. Georg Hock (Würzburg) und Hauptlehrer Max Hundt (Kulmbach).

Ausgrabung: Hügel X im Pfarrwald
Folge: Politische Einmischungsversuche der NSDAP, die Geheimrat Dr. Fritz Hornschuch zur Übernahme der Finanzierung veranlassten.

September 1935

Zweiter Vorgeschichtskurs

Zweiter Vorgeschichtskurs des Lehrerverbandes mit über 60 Teilnehmern aus ganz Bayern. Leitung: Prof. Dr. Georg Hock (Würzburg) und Hauptlehrer Max Hundt (Kulmbach).

Ausgrabungen: Pfarrwald und Turmberg
Folge: Großes Interesse und viele Besucher

Ende August 1936

Eröffnung

Eröffnung des ersten Teils des Naturpfads. Schnell folgten die weiteren Abschnitte, die einen Rundweg um Kasendorf bildeten.

Erfolg: "Kasendorf wurde zu einem weltlichen Wallfahrtsort"

Hinweis zum Datum: Die uns vorliegende Schwarz-Quelle (Heimatbeilage Nr. 127, Amtlicher Schulanzeiger Oberfranken) nennt „Samstag, den 31. August 1936" als Eröffnungstag. Eine Kalenderprüfung ergibt jedoch, dass der 31. August 1936 ein Montag war. Da die Quelle ausdrücklich einen Samstag nennt, fand die Eröffnung vermutlich am Samstag, dem 29. August 1936 statt.
1939-1945

Zweiter Weltkrieg

Der Naturpfad verfiel mangels Wartung. Besonders der beliebte Märchenwald nahm großen Schaden.

28. August 1949

Neueröffnung

Wiederaufbau unter Max Hundt mit vielen Helfern. Fritz Hornschuch unterstützte erneut finanziell. Der Märchenwald konnte nicht wiederhergestellt werden.

Feier mit: Gesangsverein "Liederkranz", Naturfreunde Kulmbach, Touristenverband

2006-2009

Moderne Erneuerung

Dieter Schmudlach überarbeitete die Tafeln zur Vor- und Frühgeschichte und erstellte neue Geologie-Tafeln.

Auszeichnungen: Archäologiepreis 2006, Bundesverdienstkreuz 2009

2018-2020

Große Erneuerung

Initiative: Helga und Siegfried Dressel aus Peesten übernahmen 2018 das Ehrenamt der Wegewarte und trieben das Erneuerungsprojekt voran.

Kommunale Unterstützung: Bürgermeister Bernd Steinhäuser sicherte sofort die Finanzierung und bot die Kompletterneuerung an.

Ergebnis: 35.000 Euro Gesamtinvestition (60% Naturpark-Förderung, 40% Gemeinde)
27 erneuerte + 8 neue Tafeln mit QR-Codes, Fertigstellung April 2020

Heute

Gegenwart

Der Naturpfad ist weiterhin begehbar und bietet mehr wissenschaftliche Informationen als je zuvor. Moderne Tafeln ergänzen das bewährte historische Konzept.

Die Persönlichkeiten hinter dem Naturpfad

Fritz Hornschuch
Quelle: fsvf.de,
restauriert und coloriert

Geheimrat Dr. Fritz Hornschuch

Namensgeber des Naturpfads (1874-1955)

Kulmbacher Textil-Industrieller, der die Kosten für die Ausgrabungen übernahm, als diese durch politische Streitigkeiten gefährdet waren. Verhinderte den Einfluss der Nationalsozialisten auf das Projekt.

"Aus Bescheidenheit wollte er nicht als Namensgeber dienen, stimmte aber zu, als Hundt warnte, die Nazis könnten sonst Einfluss nehmen."

Max Hundt
Restauriert und coloriert

Max Hundt

Initiator und Schöpfer (1898-1965)

Hauptlehrer und späterer Oberstadtschulrat aus Kulmbach. Entwickelte das innovative Konzept, Archäologie mit Tourismus und Bildung zu verbinden. Leitete die Ausgrabungen und organisierte nach dem Krieg den Wiederaufbau.

Pionierleistung: Einer der ersten Naturlehrpfade Deutschlands

Rektor Hans Edelmann

Wissenschaftlicher Mitinitiator (1888-1973)

Geologe, Botaniker und Rektor der Pestalozzischule Kulmbach. Verfasste die geologischen und botanischen Texte der original Lehrtafeln. Hatte die Idee, erläuternde Tafeln bei den Grabungsstellen anzubringen.

Publikation: "Kasendorf und sein Umland" - grundlegende Arbeit zur Geologie und Geschichte der Region

Dieter Schmudlach

Bewahrer und Modernisierer (1936-2023)

Kreisheimatpfleger (1970-2017) und Konrektor der Kasendorfer Schule. Kümmerte sich über 50 Jahre intensiv um die Lehrtafeln und führte das Erbe von Max Hundt in die moderne Zeit.

Auszeichnungen: Archäologiepreis Bayern (2006), Bundesverdienstkreuz (2009)

Die Kasendorfer Initiatoren

Lokale Unterstützer (1935-1936)

  • Hauptlehrer Oskar Kaufmann: Erster Betreuer des Pfads
  • Karl Jahreiß: Mitbetreuer (später von Kasendorf verzogen)
  • Bürgermeister Hans Glenk: "Warmer Förderer" des Projekts

Die Erneuerer (2018-2020)

Initiative und Umsetzung

Helga & Siegfried Dressel:
Wegewarte seit 2018, entwickelten die Initiative zur Erneuerung und koordinierten die komplette Umsetzung vor Ort
Bernd Steinhäuser:
Bürgermeister (2002-2020), sicherte die kommunale Finanzierung und bot spontan die Kompletterneuerung an

35.000 Euro Gesamtinvestition: 60% Naturpark-Förderung, 40% Gemeinde Kasendorf

Die vier Teile des ursprünglichen Naturpfads

Der Pfad hatte ursprünglich 4 Teilstücke, die insgesamt um Kasendorf herumführten. Start und Ende war praktischerweise am Bahnhof.

Teil 1 Geologische Zeitreise

Strecke: Bahnhof → Pfarrwald → Prelitz → Straße nach Zultenberg

Der Weg führte durch das Hügelgräberfeld im Pfarrwald mit seinen archäologischen Schätzen. Beim Aufstieg zum Prelitz durchschritt man alle drei Schichten des Jura (Schwarz → Braun → Weiß).

Auf dem "Lindlein" bot sich eine fantastische Aussicht in alle Richtungen - von der Plassenburg über das Fichtelgebirge bis zum Döbraberg.

Schwerpunkte:
  • Hügelgräber
  • Geologie des Jura
  • Panoramaaussicht

Teil 2 Der verlorene Märchenwald

Strecke: Straße Zultenberg → Felsentor → Reuth

Dieser Teil widmete sich Pflanzen, Märchen und Lyrik. Es gab eine Märchenkanzel mit wechselnden Märchen und Glaskästen mit Gedichten. Märchenfiguren säumten den Weg.

"Der Lieblingsabschnitt der Jugend" - Nach dem Krieg konnte er nicht wiederhergestellt werden, da Grundstückseigentümer den Durchgang verweigerten und bereits angelegte Treppen wieder beseitigten.

Besonderheiten:
  • Märchenkanzel
  • Lyrik-Kästen
  • Märchenfiguren
  • Pflanzenschilder

Teil 3 Aussichtspunkte und Quellen

Strecke: Reuth → Sonnentempel → Friesenquelle → Festplatz

Der dritte Abschnitt (1937 fertiggestellt) führte zum Sonnentempel mit seiner Aussichtsplattform auf einer Felsklippe. Von hier hatte man einen beeindruckenden Blick über das gesamte Friesenbachtal.

Die große Karstquelle "Friesenquelle" lag nahe am Weg und wurde oft besucht.

Highlights:
  • Sonnentempel
  • Aussichtsplattform
  • Friesenquelle
  • Talblick

Teil 4 Der Turmberg

Strecke: Festplatz → Turmberg → Magnusturm → Bahnhof

Der vierte Teil stellte den krönenden Abschluss dar. Durch die beiden westlichen Tore der Wallanlagen ging es zum Magnusturm, dem letzten Aussichtspunkt.

Von hier konnten die Wanderer nochmal den gesamten zurückgelegten Weg überblicken, der sich um das Kasendorfer Tal schlängelte.

Schwerpunkte:
  • Wallanlagen
  • Magnusturm
  • Rundumblick
  • Geschichtliche Tafeln

Der Pfad heute

Auch heute gibt es den Naturpfad noch. Alle vier Teile können wieder begangen werden, wenn auch mit einigen Veränderungen.

Was sich verändert hat:

  • Der Märchenwald fehlt
  • Stärkere Bewaldung versperrt teilweise die einst freien Aussichten
  • Start ist nicht mehr am (nicht mehr existierenden) Bahnhof
  • Keine Pflanzenschilder mehr vorhanden

Was hinzugekommen ist:

  • Mehr wissenschaftliche Informationen zur Geschichte
  • Moderne, lehrreiche Geologie-Tafeln
  • Verbesserte Wegeführung

Überregionale Anerkennung:

Der Fritz-Hornschuch-Naturpfad erhält weiterhin überregionale Anerkennung als bedeutende Attraktion Oberfrankens. Der Naturpark Fränkische Schweiz-Frankenjura förderte die Erneuerung mit 35.000 Euro, der Tourismusverband Franken bewirbt ihn als Hauptattraktion, und Wanderportale loben die "abwechslungsreiche Wanderung mit geologischen Highlights" und "besonders schöne Panoramablicke über die Natur".

Kontinuität durch drei Generationen
Gründer (1935):
Max Hundt, Fritz Hornschuch, Hans Edelmann
Bewahrer (1970-2020):
Dieter Schmudlach - 50 Jahre Pflege
Erneuerer (seit 2018):
Helga & Siegfried Dressel (Initiative)
+ Bernd Steinhäuser (Finanzierung)

Entdecken Sie die Geschichte selbst!

Wandeln Sie auf den Spuren der Vergangenheit und erleben Sie die einzigartige Verbindung von Natur und Geschichte.

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