Der Fritz-Hornschuch-Naturpfad führt durch eine der geologisch interessantesten Regionen Oberfrankens. Alle drei Abschnitte des Jura treten hier offen zutage und erzählen die Geschichte eines urzeitlichen Meeres.
Während der Jurazeit (vor 201-145 Millionen Jahren) sah unsere Erde völlig anders aus. Deutschland lag noch näher am Äquator in einem tropischen Flachmeer:
Animation des Pangäa-Zerfalls: Die Kontinentaldrift vom Superkontinent Pangäa
bis zur heutigen Verteilung der Kontinente.
Quelle: Wikimedia Commons, gemeinfrei
Der Superkontinent Pangäa brach auseinander. Deutschland lag in einem tropischen Meer zwischen den entstehenden Kontinenten. Dies erklärt die Meeresablagerungen und das tropische Klima der Jurazeit.
Vor dem Jura - Die Trias: Unter den Juraschichten liegen ältere Gesteine der Trias (Buntsandstein, Muschelkalk, Keuper). Diese sind besonders im Friesenbachtal aufgeschlossen, wo der Keuper fruchtbarere Böden bildet als der karge Jurakalk.
Nach dem Jura - Die Kreidezeit: Nach dem Jura wurde unsere Region überwiegend Festland. Die Kreidegesteine sind bei uns selten - am Naturpfad fehlen sie, aber in der weiteren Umgebung (z.B. bei Azendorf) gibt es kleine Vorkommen der Oberkreide. Die meiste Zeit fand jedoch Erosion statt, weshalb jüngere Ablagerungen weitgehend fehlen.
Die Gesteine unserer Region erzählen eine Milliarden Jahre alte Geschichte. Hier sehen Sie, welche Erdzeitalter wo bei uns zu finden sind:
| Erdzeitalter | Alter | Was finden wir wo? |
|---|---|---|
| ERDNEUZEIT | ||
| Holozän (Nacheiszeit) |
Letzte 12.000 Jahre | Talfüllungen mit Lehm und Sand in allen Tälern |
| Pleistozän (Eiszeitalter) |
2,6 Mio. - 12.000 Jahre | Hangschutt am Turmberg (Simonweg) |
| Tertiär | 66 - 2,6 Mio. Jahre | Nicht in unserer Region erhalten |
| ERDMITTELALTER | ||
| Kreide | 145 - 66 Mio. Jahre | Am Pfad nicht vorhanden Kleine Oberkreide-Vorkommen bei Azendorf (Flurbereinigung) |
| JURA | 201 - 145 Mio. Jahre |
Unser Hauptgestein! Weißjura: Prelitz, Felsentor, Turmberg, Friesenquelle Braunjura: Hohlweg zum Prelitz Schwarzjura: Pfarrwald |
| Trias | 252 - 201 Mio. Jahre | Keuper im Friesenbachtal Rhätolias beim Mittelpunkt Oberfranken (Übergang Trias/Jura) |
| ERDALTERTUM | ||
| Perm | 299 - 252 Mio. Jahre | Tief im Untergrund verborgen |
Interaktive Karte: Erkunden Sie die geologischen Schichten unserer Region im Detail im UmweltAtlas Bayern
Lias • vor 201-174 Millionen Jahren
Die älteste Schicht des Jura. Ein flaches, warmes Meer bedeckte unsere Region. Am Meeresboden bildete sich dunkler Schlamm, der dem Gestein seine schwarze Farbe gab.
Vor 200 Millionen Jahren lag Kasendorf in einem flachen, aber sauerstoffarmen Meeresbecken. Am dunklen Grund - ohne Strömung und Leben - sammelten sich Schlamm und tote Organismen. Diese lebensfeindlichen Bedingungen konservierten Fossilien perfekt: Im berühmten Posidonienschiefer blieben sogar Hautabdrücke und Mageninhalt erhalten!
Dogger • vor 174-163 Millionen Jahren
Das Meer breitete sich aus. Eisenhaltige Ablagerungen aus dem umgebenden Festland färbten die Schichten braun bis rostrot.
Das Meer breitete sich aus. Die Eisenoolithe bildeten sich jedoch in sehr flachem, stark bewegtem Wasser. Von nahen Küsten spülten Flüsse eisenreichen Schlamm heran. In der tropischen Brandung entstanden winzige Eisenkügelchen (Oolithe) - wie rostige Perlen. Diese verleihen dem Braunen Jura seine charakteristische Farbe und machten ihn zur Eisenerzlagerstätte.
Dogger-Aufschlüsse: Die charakteristische braune Färbung entsteht durch Eisenoxide. Navigieren Sie durch die Bilder für verschiedene Ansichten der Sandstein-Schichten.
Malm • vor 163-145 Millionen Jahren
In einem tropischen Flachmeer bildeten sich mächtige Schwammriffe. Die hellen Kalksteine prägen heute unsere Landschaft.
Ein tropisches Paradies! In kristallklarem, warmem Wasser bauten Schwämme und Algen riesige Riffe - ähnlich dem heutigen Great Barrier Reef. Die weißen Kalke am Prelitz sind versteinerte Überreste dieser urzeitlichen Unterwasserwelt. Hier lebten auch die Seeigel, deren Stacheln als "Judensteine" berühmt wurden.
Eine geologische Störung, an der die Gesteinsschichten durch tektonische Kräfte verschoben wurden. Der Versatz beträgt hier lokal mehr als 50 Meter. Dadurch können wir heute alle drei Jura-Formationen auf engem Raum studieren.
Die genaue Art der Bewegung (Abschiebung, Aufschiebung oder seitliche Verschiebung) ist unterschiedlich in den Quellen, die mir zur Verfügung stehen. Regional können Versätze bis 50-200 m auftreten.
Ein geologisches Lehrbuch unter freiem Himmel: Die Weismainer Verwerfung hat die Landschaft am Prelitz geprägt. Suchen Sie vor Ort nach Hinweisen auf diese geologische Störung - vielleicht entdecken Sie ja Stellen, wo die normale Schichtfolge gestört ist! Manchmal liegen hier die älteren braunen Eisensandsteine des Doggers (174-163 Mio. Jahre) ÜBER den jüngeren hellen Kalken des Malms (163-145 Mio. Jahre).1
Als Hilfe können Sie den UmweltAtlas Bayern verwenden, der die geologischen Formationen detailliert zeigt.
1 Georg Schwarz: "Als Folge dieser Verwerfung liegen auf dem Prelitz streckenweise die Schichten des Braunen Jura (Dogger) höher als die Werkkalkbänke des Weißen Jura" - Heimatbeilage zum Amtlichen Schulanzeiger des Regierungsbezirks Oberfranken Nr. 127 (1986)
Der Görauer Anger zeigt die Auswirkungen der Weismainer Verwerfung besonders eindrucksvoll. Obwohl nicht direkt am Pfad gelegen, ist dieser markante Felsvorsprung ein wichtiges geologisches Zeugnis für die gewaltigen Kräfte, die unsere Landschaft formten.
Weismainer Verwerfung am Görauer Anger: Links der Blick von oben - der Fotograf stand auf der Verwerfungskante. Rechts die Perspektive von unten - hier sieht man deutlich den steilen Anstieg der versetzten Gesteinsschichten.
Moderne Technik macht die geologischen Schichten sichtbar: Auf diesen Luftbildern sind die verschiedenen Formationen farblich überlagert.
Die Farben folgen der geologischen Konvention:
Die Trias-Schichten sind besonders im östlichen Bereich beim Mittelpunkt Oberfranken (Heubsch) zu sehen - außerhalb des eigentlichen Naturpfads.
Eine starke Karstquelle aus dem unteren Malm. Das Wasser entspringt aus den klüftigen Kalksteinen und zeigt, wie Grundwasser durch das Karstsystem fließt.
Der Malmkalk ist wasserlöslich. Regenwasser dringt in Spalten ein und erweitert sie zu Höhlen und unterirdischen Wasserläufen. An der Friesenquelle tritt dieses Karstwasser wieder zutage.
Die Quelle ist als Geotop geschützt (LfU-Geotop-Nr. 477Q002, Einstufung: wertvoll) und zeigt geringe Kalktuffbildung. Kalktuff entsteht, wenn das kalkhaltige Quellwasser beim Austritt CO₂ verliert und dadurch Kalk ausfällt - ein typischer Prozess in Karstquellen.
Ein beeindruckendes Ergebnis der Verkarstung. Wasser und Verwitterung haben hier ein natürliches Tor in den Malmkalk geformt.
Felsentor bei Reuth: Das imposante Felsentor entstand durch Verkarstung im Malmkalk. Wischen Sie durch die Bilder für verschiedene Perspektiven und Jahreszeiten.
Historische Steinbrüche bieten wertvolle Einblicke in die Geologie der Region. Auch wenn die genaue Nutzung (Kalk, Schotter oder anderes Baumaterial) nicht eindeutig dokumentiert ist, zeigen solche Aufschlüsse die lokalen Gesteinsformationen. In Gesprächen wurde mir öfter gesagt, dass dort Schotter abgebaut wurde, ich kann es aber nicht zweifelsfrei bewerten.
Nicht nur die Jura-Gesteine prägen unsere Landschaft. In den letzten 2,6 Millionen Jahren (Quartär) haben Eiszeiten, Wind und Wasser weitere Spuren hinterlassen:
Diese jungen Ablagerungen bedecken oft das ältere Gestein und bilden die Grundlage für unsere heutigen Böden.
Bei einer Wanderung auf dem Naturpfad können Sie mit etwas Glück Fossilien finden. Hier sind die häufigsten Funde aus den Juraschichten der Region:
Lokale Funde aus der Region Kasendorf: Diese Fossilien wurden in den Juraschichten rund um den Naturpfad gefunden.
Die Stacheln (wissenschaftlich: Spinae oder Spines) sind Ossikel des Seeigel-Endoskeletts. Jeder Stachel sitzt über eine muskulös bewegliche Gelenkverbindung (Tuberkel) am Kalkgehäuse des Seeigels. Durch spezielle Muskeln können die Tiere ihre Stacheln gezielt in alle Richtungen bewegen, aufrichten oder absenken.
Historisch als "Lapis Judaicus" (Judenstein):
Seeigel-Stacheln wurden seit der Antike medizinisch genutzt. Bereits Dioskurides (40-90 n.Chr.)
empfahl pulverisierte Stacheln gegen Blasen- und Nierensteine. Die Stacheln, besonders von
Balanocidaris glandifera, wurden in warmem Wasser aufgelöst getrunken. Im Mittelalter
wurden sie mit verschiedenen Kräutern gemischt und galten als wirksames Mittel gegen "Gravel"
und "Strangury" (schmerzhafte Harnbeschwerden). Die Form der Stacheln (olivenförmig) wurde nach
dem Prinzip der Sympathischen Magie mit ihrer heilenden Wirkung verknüpft: "Gleiches heilt Gleiches".
Spiralförmige Gehäuse urzeitlicher Kopffüßer
Was waren Ammoniten?
Verwandte der heutigen Tintenfische und Kraken mit spiralförmigen Gehäusen. Sie schwammen
aktiv im Jurameer und ernährten sich von kleinen Meerestieren.
Wie lebten sie?
Durch Ausstoßen von Wasser aus dem Gehäuse konnten sie sich rückwärts fortbewegen
(wie heutige Tintenfische). Die Kammern des Gehäuses dienten als Auftriebskörper.
Wissenschaftliche Bedeutung:
Leitfossilien für die Datierung von Gesteinsschichten. Verschiedene Arten lebten
nur kurze geologische Zeiträume.
Häufige Arten: Perisphinctes, Aspidoceras, Lytoceras
Stachelige Meereslebewesen mit Kalk-Panzer
Aufbau und Funktion:
Jeder Stachel (Spine) war über eine bewegliche Basis mit dem Kalkpanzer (wissenschaftlich "Test") verbunden.
Die Tiere konnten ihre Stacheln gezielt aufrichten oder absenken.
Vielseitige Werkzeuge:
Die Seeigel nutzten ihre beweglichen Stacheln für viele Aufgaben:
• Abwehr: Schutz vor Fressfeinden
• Fortbewegung: Langsames Kriechen
• Verankerung: Im Sediment
• Körperpflege: Entfernen von Algenresten
Historische Nutzung:
Fossile Seeigel-Stacheln wurden einst als "Lapis Judaicus" (Judenstein) geschätzt.
Dioskurides (40-90 n.Chr.) empfahl sie gegen Harnsteine. Auf Malta nannte man sie "Baculi S. Pauli".
Häufige Arten: Balanocidaris, Rhabdocidaris, Plegiocidaris
Versteinerte Innenskelette von Kopffüßern
Was waren Belemniten?
Verwandte der heutigen Tintenfische mit einem internen Kalk-Skelett (Rostrum).
Sie schwammen frei im Jurameer und waren geschickte Jäger.
Aufbau des Tieres:
• 10 Fangarme mit Haken
• Tintenbeutel zum Verwirren von Feinden
• Strahlantrieb durch Wasserausstoß
• Phragmokon (gekammerter Teil) zur Auftriebsregulation, massives Rostrum als Gegengewicht
Warum "Teufelsfinger"?
Die spitzen, kegelförmigen Fossilien erinnerten die Menschen an Finger oder Pfeile.
Der Volksglauben schrieb ihnen magische Kräfte zu.
Fossilisation:
Nur das harte Rostrum fossiliert normalerweise. Seltene Funde zeigen auch
Weichteile mit Tintenbeutel-Resten!
Häufige Arten: Passaloteuthis, Acrocoelites, Dactyloteuthis
Was der Volksmund einst "Judensteine" nannte, sind versteinerte Stacheln urzeitlicher Seeigel - mit einer erstaunlichen Kulturgeschichte!
Die kleinen, oft olivenförmigen Fossilien wurden über 2000 Jahre lang als Heilmittel verwendet. Der Name "Lapis Judaicus" (lateinisch: Judenstein) entstand, weil die ersten bekannten Exemplare aus dem Heiligen Land (dem antiken Judäa) stammten und von Kreuzfahrern als Heilmittel nach Europa gebracht wurden. Dabei übersahen die Menschen lange Zeit, dass die gleichen Fossilien auch in Europa vorkommen.
Es handelt sich um die versteinerten Stacheln von Seeigeln der Familie der Cidaroiden, besonders der Gattung Balanocidaris. Diese Seeigel lebten vor etwa 150 Millionen Jahren im tropischen Jurameer, das auch unsere Region bedeckte.
Die als "Judensteine" bezeichneten Fossilien sind hauptsächlich die dicken, keulenförmigen Stacheln (nicht die ganzen Seeigel!) verschiedener Arten:
Plegiocidaris und Rhabdocidaris
Die auffälligsten "Judensteine" - bis zu 5 cm lang, dick und robust. Besonders häufig in den Schwammriffen des Malm.
Verschiedene Cidaris-Arten
Vielfältige Formen und Größen, oft mit feinen Längsrillen. In verschiedenen Jura-Schichten zu finden.
Warum nur die Stacheln? Seeigel-Gehäuse zerfallen nach dem Tod meist schnell in ihre einzelnen Platten. Die robusten Stacheln überdauern viel besser und wurden deshalb häufiger gefunden und als "Heilsteine" verwendet.
Mit etwas Glück können Sie genau solche "Judensteine" auch am Fritz-Hornschuch-Naturpfad finden! Die Seeigelstacheln in unseren Malmkalken am Prelitz und bei Reuth sind identisch mit denen aus dem Heiligen Land - gleiche Tierart, gleiche Zeit, gleiche Eigenschaften. Achten Sie auf kleine, längliche oder olivenförmige Fossilien mit feinen Längsrillen.
Hinweis: In Bayern gelten Fossilien rechtlich nicht als Bodendenkmäler. Das Sammeln von Lesefunden ist erlaubt, aber bitte respektieren Sie private Grundstücke und sammeln Sie verantwortungsvoll!
Wissenschaftlich:
Fossile Stacheln von Cidaroiden-Seeigeln
Hauptart:
Balanocidaris glandifera
Alter:
Ca. 150 Millionen Jahre (Oberjura)
Größe:
1-5 cm lang, oft olivenförmig
Merkmale:
Feine Längsrillen, glatte Oberfläche
Fundorte am Pfad:
Malmkalk-Aufschlüsse (Prelitz, Reuth)
Andere Namen:
• Lapis Judaicus (lateinisch)
• Hajrul Yahood (arabisch)
• Judenpfeile
• Olivensteine
Die länglichen Stacheln waren "für Männer", die kugeligen "für Frauen" - man glaubte auch an eine aphrodisierende Wirkung!
Plassenburg, Kulmbach - mit geologischer Sammlung und Max-Hundt-Abteilung
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